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Festival Rückschau

Zu unserer Veranstaltung zu tschechischen Zwangsarbeiter:innen, die Anfang April am Denkort Bunker Valentin stattgefunden hat, gibt es jetzt auch einen Mitschnitt als Podcast.

Team des Projekts „NS-Unrecht“ stellt sich vor

Lernt uns kennen


Hi! Wir sind das deutsche Team hinter dem Projekt: „NS Unrecht ‘Entartete Musik’“.

Im folgenden Beitrag möchten wir uns vorstellen.

Wir sind beim Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit e.V. angesiedelt und arbeiten in Bremen.

Natalie Reinsch

Hi! Meine Name ist Natalie Reinsch und bin die Leiterin des Projekts „NS-Unrecht ‚Entartete Musik‘“. Ich bin Historikerin und Kuratorin mit einem Fokus auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Da  ich leidenschaftlich gerne Swing tanze, war mir die Verfolgung der Swing Jugend durch das NS-Regime bekannt, da ich den Film „Swing Kids“ gesehen habe. Ich habe das Projekt konzipiert, um neue Bildungsprogramme über die Geschichte des Nationalsozialismus und den Widerstand dagegen zu entwickeln. Die Beschäftigung mit der Geschichte des Lindy Hop und die Verfolgung von Swing-Tänzer:innen während des Nationalsozialismus eröffnen die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus, aber auch mit Widerstand und den Spielräumen des Einzelnen in einem totalitären Staat auseinanderzusetzen.

Natalie Reinsch, Projektleitung

Philipp Mangels

Philipp Mangels, Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Moin. Ich bin Philipp Mangels, Kulturhistoriker mit Schwerpunkt auf Ostmitteleuropa und Teil des Teams um des Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit. Bereits in meinem Studium habe ich mich wesentlich mit Sub- und Jugendkulturen beschäftigt und ich sehe in der Swing-Jugend viele Anknüpfungspunkte zu diesem Thema. Besonders faszinierend finde ich dabei die Selbstbestimmung junger Menschen, die sich weder von Erwachsenen, noch von Regimen vorschreiben lassen, wie man zu leben hat. In unserem Projekt freue ich mich insbesondere auf die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen, die auch heute klare Vorstellungen von ihrem eigenen Lebensstil haben. Ich möchte nicht nur über die Geschichte lehren, sondern auch viel von den Jugendlichen lernen.

Ramona Rücker

Hallo! Mein Name ist Ramona. Ich mache gemeinsam mit Melika das Social Media des Projekts. Studiert habe ich Public History und Medienwissenschaft mit einem Fokus auf Erinnerungskulturen als auch Medienkommunikation und NS-Aufarbeitung.
Seit meiner Kindheit tanze ich, hauptsächlich Hip Hop, weshalb ich die Verfolgung von Swingtänzer:innen umso unvorstellbarer, ihr Engagement mutig und selbstbestimmt finde.
Ich freue mich auf dieses Projekt, weil ich es liebe, unterschiedlichste Menschen zu treffen und mit sowie durch sie zu lernen. Außerdem bin ich gespannt darauf, die Geschichte(n) der Swing-Jugend mit Euch zu teilen.

Ramona Rücker, Social-Media-Managerin

Melika Yildizová

Melika Yildizová, Studentische Hilfskraft

Hi! Ich bin Melika Yildiz, Studentin an der Universität Bremen.
Ich studiere Politik- und Religionswissenschaften und interessiere mich für die Geschichte des jüdischen Lebens, da ich jüdische Wurzeln habe.  Seit drei Jahren arbeite ich bereits in der PR-Abteilung des ŠTETL FEST, eines internationalen. jüdischen Festivals in Brünn. Zugleich bin ich (als Tschechin) Mitglied im Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit.
Das Thema des Projekts „NS-Injustice degenerated music“ ist für mich äußerst interessant, da es eine andere Perspektive auf die NS-Zeit ermöglicht. Deshalb bin ich sehr froh, Teil des Teams zu sein. Gemeinsam mit Ramona bin ich für die sozialen Netzwerke des Projekts zuständig.

Festival Rückschau

Festival Rückschau

Foto: Moritz Röber

Unser jährliches Festival „So macht man Frühling“ ist gestern zu Ende gegangen. Wir bedanken uns bei allen Helfer:innen, die das groaßrtige Festival möglich gemacht haben!

Auf unserer Festivalseite haben wir eine Rückschau zusammen gestellt, die hier abgerufen werden kann.

Klaas Anders im Interview bei Český rozhlas​

Klaas Anders im Interview bei Český rozhlas

Foto: Václav Jabůrek, Český rozhlas

Am Rande unserer Veranstaltung „Tschechoslowakische Zwangsarbeiter:innen in der Region Bremen“ hat unser Vorsitzender Klaas Anders mit Václav Jabůrek von Český rozhlas zur Geschichte des Ortes gesprochen. Der Beitrag ist hier zu finden: Nová ponorka každých 56 hodin?

Ein weiterer Beitrag vom tschechischen Rundfunk über unser Festival, der bereits vor einer Woche ausgestrahlt wurde, in dem auch Daniel Schmidt aus unserem Vorstand interviewt wird, ist hier archiviert.

 

Auftakt des Projekt NS-Unrecht „Entartete Musik“​

Auftakt des Projekt NS-Unrecht „Entartete Musik"

Foto: Moritz Röber

Auftakt des Festivals des „So macht man Frühling“ mit der Vorstellung unseres Projekts.

Zu Beginn gab es eine spannende Podiumsdiskussion mit Birgit Köhler, Petr Koura und Andrzej Rumianowski über die tschechischen „Potápky“, die Bremer „Swing-Kids“, das Aussehen der Swing-Jugendlichen allgemein und die Verfolgung von Jazz- Musiker:innen in Polen.

Dann zeigten Eléna und Christin die Grundrhythmen des Lindy Hop.
Die beiden brachten die Teilnehmenden wortwörtlich zum „Bouncen“.

Schlussendlich spielte „die beste Swing-Band“ Tschechiens (Jakub Šafr & Swing Trio Avalon) zusammen mit Sophia Lamoš.

Bis in die Nacht wurde fleißig das Tanzbein geschwungen.

Danke an alle Anwesenden sowie an das gesamte Team für diesen wunderschönen Abend!

Eindrücke der Veranstaltung

Kick-Off: NS-Verfolgung von Swing-Tänzer:innen und Jazzmusiker:innen in Bremen, Tschechien und Polen

NS-Verfolgung Von Swing-Tänzer:Innen Und Jazzmusiker:Innen In Bremen, Tschechien Und Polen

Als Festivaleröffnung und zum Start des Projekts „NS-Unrecht ‚Entartete Musik‘. Verfolgte Swing-Tänzer:innen und Jazzmusiker:innen in Nordwestdeutschland, Tschechien und Polen“ des BBfd-tZ diskutieren die Projektpartner:innen aus Prag, Warschau und Danzig mit der Bremer Historikerin Birgit Tillmann über die unterschiedliche Verfolgungsmethoden des NS-Regimes. Außerdem stellen sie vor, was an den vier Standorten bis Dezember 2025 an Aktivitäten geplant ist, um dieses bislang wenig bekannte NS-Unrecht im öffentlichen Bewusstsein der drei Länder sowie transnational zu verankern.

Im Anschluss spielt die tschechische Swing-Band Jakub Šafr & Swing Trio Avalon. Das Konzert findet als Social Dance in Kooperation mit dem Bremer Tanzverein Swing Man Tau statt.

Begrüßung: Michael Maj, designierter tschechischer Honorarkonsul in Bremen

 

Sa., 06.04.2024

Diskussion, Konzert und Tanz

Vereinte Evangelische Gemeinde Bremen-Neustadt (Große Krankenstraße 11, 28199 Bremen)

19:00 Uhr

Eintritt frei

Anmeldung (hier klicken)

Zu Gast: Birgit Köhler, Petr Koura, Andrzej Rumianowski, Justyna Gorgoń

Moderation: Natalie Reinsch

Das Projekt wird in der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.

Jakub Šafr & Swing Trio Avalon

Klavier: Jakub Šafr

Klarinette: Martin Voříšek

Schlagzeug: Jan Kubeš

Gesang: Petra Chlebníčková

Nicht nur nach Prag reisen, sondern sich wirklich das Land anschauen

Barbara Linke-Holická im Interview

Barbara Linke-Holická

Hallo Frau Linke-Holická, schön, dass wir hier zusammengefunden haben. Wir beginnen mit der Frage zu Ihrer Person: Wer sind Sie? Was mögen Sie über sich verraten?

Ich bin Musikerin, Bratschistin. Ich bin in Prag geboren. Zuerst habe ich am Prager Konservatorium studiert,  anschließend an den Musikhochschulen in Berlin und Freiburg im Breisgau, außerdem habe ich zeitweise auch in Zürich und Amsterdam gelebt. Nach 7 Jahren im Ausland habe ich das Probespiel für Solobratsche in der Tschechischen Philharmonie erfolgreich bestanden. Das war ein Versuch, nach den vielen Jahren nach Tschechien zurückzukehren. Nach einem Jahr habe ich aber festgestellt, dass sich das Leben und Arbeiten in Deutschland für mich in der damaligen Lebensphase besser und passender anfühlt. Also bin ich zuerst nach Freiburg zurückgekehrt und habe dort als freiberufliche Musikerin gelebt. Während des Musikfestivals in Aix-en Provence in Südfrankreich habe ich mein Mann kennengelernt, der schon damals in Bremen gelebt hat. Bremen war also keine gezielte Entscheidung, das ergab sich einfach. Heute leben wir mit unserer Familie in Bremen, haben drei Kinder, ich unterrichte an der Hochschule für Musik und arbeite als freiberufliche Musikerin. Je älter ich bin, um so öfter reise ich nach Prag zurück, sowohl privat wie beruflich. Ich bin Mitglied des Ensembles Prager Kammersolisten und bin zunehmend in Prag und Tschechien tätig.

Wann waren Sie zuletzt in Tschechien – und was war der Anlass?

Das war vor ein paar Wochen, aus beruflichen Gründen. Übermorgen fahre ich wieder hin – wieder beruflich. Ich genieße die Möglichkeit dort auch meine  Freunde, Verwandte und auch geliebte Plätze und Orte zu sehen, wenn ich Zeit habe. Als Familie sind wir auch regelmäßig in Tschechien. Vor drei Jahren haben wir mit meinem Mann den Schritt gewagt und eine alte Berghütte im Riesengebirge gekauft, wo wir viel Freizeit verbringen.

Mit meiner Freundin, Geigerin aus der Tschechischen Philharmonie Lenka Machová, haben wir dort vor drei Jahren ein Musik-Literatur Festival gegründet, das sich auch mit deutsch-tschechischen Geschichte und Kultur beschäftigt. 

Meine Kinder wachsen zweisprachig auf. Wir versuchen beide Kulturen und Identitäten in der Familie zu stärken. Das ist mir sehr wichtig. Mein Mann und die Kinder sind sehr offen dafür, wofür ich sehr dankbar bin.

Was ist Ihrer Meinung nach typisch deutsch, was ist typisch tschechisch? Und was sind Gemeinsamkeiten?

Obwohl ich wirklich empfinde, dass die Unterschiede existieren, versuche ich mit Klischees aufzupassen. Mein Erleben von „typisch deutsch“ ist jedoch wahrscheinlich: Disziplin und Pünktlichkeit. In Tschechien ist es üblicher – und auch einfacher – eine Situation mit Humor aufzulockern und auch Regeln etwas freier zu sehen. Aber – auf beiden Seiten findet man Ausnahmen, der Faktor Mensch spielt hier sowie dort immer die wichtigste Rolle.

Und die Gemeinsamkeiten? Ich glaube, eine wichtige Gemeinsamkeit ist flüssig, man kocht es aus Hopfen, trinkt es gut gekühlt und am Besten frisch gezapft (lacht).

Aber eine weitere wunderbare Gemeinsamkeit ist tatsächlich Musik – wir sollen nicht vergessen, dass einer der besten Freunde unserer Musikikone Antonín Dvořák der deutsche Komponist Johannes Brahms war! In der ganzen Kulturgeschichte finden wir gegenseitige Inspirationen und Gemeinsamkeiten.

Das Verbindende: Gibt es etwas, das Menschen aus Tschechien und Deutschland voneinander lernen können / sollten?

Oh ja, unbedingt. Tatsächlich ist die Sache mit der Disziplin gerade in der Musik eine positive Eigenschaft. An deutschen Musiker*innen sehe ich oft und schätze sehr eine absolute Ernsthaftigkeit, wenn es um ihre Arbeit geht. Aber man kann auch zu diszipliniert sein, zu intellektuell, zu organisiert. Zu viele Regeln und zu viel Disziplin könnten eine Mauer bauen, den Zugang zu eigenem Instinkt und Spontanität absperren. Musik ist eine Sprache, die aus dem Menschen herauskommen muss, es braucht ein tiefes Vertrauen und Natürlichkeit. Der tschechische Zugang zu Musik (Vorsicht ein Klischee!) ist etwas musikantischer, wir würden sagen – mehr aus dem Bauch raus. Disziplin und Natürlichkeit, beides ist sehr wichtig und die Balance zu finden, ist manchmal nicht leicht.

Die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, eine gewisse Selbstironie, ist wiederum eine  Eigenschaft, die ich bei den Tschech*innen sehr oft sehe und die auch oft einen verspannten Moment lustig machen kann. Überhaupt ist es der Humor, den ich an den Tschechen mag und wo ich mich oft frage – ob es an der Sprache liegt?

Suchen Sie sich bitte eine der beiden Sprachen aus:  Was ist Ihr Lieblingswort auf Deutsch bzw. auf Tschechisch – und warum?

Im Deutschen mag ich das Wort „Herausforderung“ sehr. Das tschechische Äquivalent „výzva“ erscheint mir nicht adäquat. Herausforderung klingt nach Handlung, nach Tiefe und Bewegung nach vorne. Es zeigt, dass man etwas tun muss, aktiv werden muss. Als ob man eine Schaufel nimmt und aus der Tiefe etwas herausbringt.

Im Tschechischen mag ich „pohoda“ – das lässt sich am ehesten mit „Gemütlichkeit“ umschreiben, aber eben nur umschreiben. Es ist ein Zustand von Ruhe, Ausgeglichenheit. aber auch Freude. Diese beiden Worte zeigen vielleicht auch die unterschiedlichen Gemüter ganz gut an (lacht).

Tatsächlich erlebe ich, dass ich mich immer etwas anders fühle, je nachdem, welche Sprache ich benutze. Es ist, als würde man in eine andere Sprachpersönlichkeit schlüpfen.

Ausblick für die Zukunft: Denken Sie, beide Länder sollten noch mehr in den Austausch gehen, ihre Verbindung zueinander verstärken, auch im Sinne eines gemeinsamen europäischen Gedankens? Haben Sie einen Wunsch / eine Vision, wie das aussehen könnte?

Das denke ich allerdings, dass genau das eine Ebene ist, auf der wir sehr aktiv bleiben sollen. Wenn ich Nachrichten in beiden Ländern sehe, dann sehe ich oft zwei sehr verschiedene Ansichten auf eine gewisse Situation. Es gibt die deutsche Berichterstattung und es gibt die tschechische. Das ist einerseits verständlich, die jeweiligen Länder haben ein eigenes Verständnis, politisch, wirtschaftlich, historisch. Gleichzeitig ist aber genau das eine Schwierigkeit: Manchmal fehlt das Wissen über, bzw. das Fühlen und Empfinden der anderen Seite. Besonders in Westdeutschland ist den Menschen manchmal nicht bewusst, was z.B. nach dem 2. Weltkrieg in Osteuropa los war. Meine Tochter, 10.Klasse, hat kürzlich mit der Schule das Stasi-Gefängnis in Berlin besucht. Das finde ich wahnsinnig wichtig. Junge Menschen wissen oft gar nicht mehr, was das eigentlich bedeutet: Stasi. Das war eine Zeit des Terrors und aus diesem Terror, dieser schrecklichen Zeit der Totalität, sind wir in Tschechien – und auch in der ehemaligen DDR – erst 30 Jahre raus. Es braucht ein Bewusstsein dafür, was das mit der Gesellschaft gemacht hat und wie das noch in den Seelen der Menschen nachwirkt.

Deutschland und Tschechien sind zu unterschiedlichen Entwicklungszeitpunkten der Europäischen Union beigetreten, und vielleicht auch mit unterschiedlichen Gedanken und Motiven. Da hilft meiner Meinung nach nur eines: Nonstop-Aufklärung, was die EU eigentlich ist, welche Idee von Europa dahintersteht – und zwar auf beiden Seiten, und man sollte auch immer wieder abgleichen, inwieweit diese Werte in der jeweiligen Situation noch aktuell sind und gelebt werden.

Wir brauchen sehr viele Menschen, die Kanäle, Brücken und Verbindungen bauen, und zwar solche, die nicht auf staatlicher Ebene arbeiten. Kultur ist da eine Möglichkeit. Vereine, zum Beispiel das Bremer Bündnis für Deutsch-Tschechische Zusammenarbeit oder Porta Bohemica sind wunderbare Beispiele. Diese Arbeit erreicht andere Schichten der Gesellschaft. Ich würde mir wünschen, dass viele deutsche Bücher ins Tschechische übersetzt werden und andersrum. Ebenso finde ich sehr wichtig, die gemeinsame deutsch-tschechische Geschichte zu thematisieren. Es gab in der Geschichte einige Momente, die immer noch ein sensibles Thema für beide Länder sind, bessere Geschichtskenntnisse könnten helfen, verschiedene Vorurteile zu beseitigen. Das sollte nicht nur Historiker*innen beschäftigen, sondern auch Geschichtslehrer*innen und Kulturveranstalter*innen. Tschechische Schüler*innen wissen, denke ich,  z.B. viel zu wenig über den deutschen Widerstand während der NS-Zeit. Deutsche wiederum sollten viel mehr über die schon erwähnte Kommunistische Diktatur lernen. Das Reisen und Schulaustausch ist auch gute Gelegenheit die andere Seite zu entdecken. Und zwar Reisen nicht nur zwischen den beiden Hauptstädten. Als Pragerin liebe ich die tschechische Hauptstadt und bin auch sehr stolz darauf, aber um Tschechien wirklich kennenzulernen, müsste man auch andere Teile des Landes besuchen.

Vielen Dank für das Interview. 

BBfd-tZ bei der 16. Geschichtsmesse

BBfd-tZ bei der 16. Geschichtsmesse

Wir waren als Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit vom 29.02.2024 – 02.03.2024 zu Gast bei der 16. Geschichtsmesse der Bundesstiftung Aufarbeitung auf dem Ringberg in Suhl.

In diesen drei Tagen wurden viele Debatten geführt: Es wurde beispielsweise gefragt, ob die Zeit der euphorischen Aufarbeitung vorbei ist und ob Aufarbeitung als politisches Vehikel in einem politisch-normativen Sinne jemals in der Lage war, die komplexen Lebensrealitäten der Menschen in der DDR abzubilden und ernstzunehmen. Der Historiker Martin Sabrow plädierte daher für ein Ende der Hoffnungen und Enttäuschungen, die der sehr deutsche Begriff der Aufarbeitung transportiert.

Außerdem ging es mit Blick auf das Wahljahr 2024 – das neben der Europawahl die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg umfasst – auch um Herausforderungen in der Bildungsarbeit. Interessante Diskussionen der Podiumsteilnehmer:innen entfachten unter anderem darüber, wie historisch-politische Bildung vielfältiger und multiperspektivischer werden kann, um die Realitäten der post-migrantischen Gesellschaft abzubilden. Zudem wurde tagesaktuell diskutiert, wie gegen verstärkt geäußerten und gezeigten Antisemitismus und Desinformationen über soziale Medien vorgegangen werden kann, vor allem in Bezug auf Kinder und Jugendliche.

Viel Raum wurde bei dieser Geschichtsmesse den teilnehmenden Vereinen, Stiftungen, Museen und Gedenkstätten gegeben, die ihre Projekte untereinander vorstellten. Mit dabei waren auch unsere Freund:innen der Universität Hamburg, die auf ihr Projekt „Orte der Unsichtbarkeit“ zurückgeblickt haben. Die Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung macht die Geschichtsmesse für Vertreter*innen von historischen Projekten besonders attraktiv.

Im Abendprogramm diskutierten die Autor:innen Hendrik Bolz und Ines Geipel die Auswirkungen der Diktaturerfahrungen in der DDR im Familiengedächtnis, während die Musikerinnen Grit Diaz de Arce und Bibiana Malay mit der Inszenierung „the dark side of the GDR“ schwarze Lebensrealitäten in der DDR in den Blick nahmen.

Unter den vielen Diskussionsteilnehmerinnen in Suhl waren auch Verteter:innen der Politik.

So diskutierten Bodo Ramelow und Linda Teuteberg, was es heißt, für Ostdeutschland Politik zu machen, während Claudia Roth die Wichtigkeit der Förderung historisch-politischer Bildung betonte. 

Für uns als Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit e.V. bleiben viele Eindrücke aus Suhl, die uns besonders im Hinblick auf unsere Projekte im Bereich der Bildungsarbeit viel mitgegeben haben.

Unsere Eindrücke

Wir trauern um František Černý

Wir trauern um František Černý

František Černý (rechts im Bild) mit unserem Vereinsmitglied Tilman Rothermel

Wir verabschieden uns von František Černý, dem Tschechischen Botschafter a.D., dem Mitbegründer des Prager Literaturhauses deutschsprachiger Autoren, unserem Mentor, unserem Freund.