Woran erinnern wir?
2025 jährte sich zum 80. Mal das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Alljährlich wird am 8. Mai an die Befreiung vom Nationalsozialismus und an den verheerenden Krieg mit über 60 Millionen Toten erinnert. Unter den Opfern des Nationalsozialismus befanden sich auch Swing-Tänzer:innen und Jazzmusiker:innen, die vom NS-Regime wegen ihrer Leidenschaft für Jazz und Swing verfolgt wurden. Jazzmusik wurde in Folge der rassistischen und antisemitischen Haltung des Regimes als „entartete Musik“ verboten. Jugendliche, die durch ihr nonkonformes Aussehen auffielen, sahen sich Verfolgung und Bestrafung ausgesetzt. Zu diesem Zweck wurde im Rahmen dieses Projekts der ‚Liberation Dance‘ entwickelt, der an das Unrecht des Nationalsozialismus erinnert und dessen Opfern gedenkt.
Warum tanzen wir?
Gedenken kann unterschiedliche Facetten haben. Der ‚Liberation Dance‘ wurde als eine Art des Gedenkens gewählt, da Tanz für Gemeinsamkeit, Rückhalt und ein Gefühl der Freiheit steht. Dabei regt die Choreographie zum Mitmachen an. Das an den Händen halten und Brücken bauen, was im Tanz zu erkennen ist, soll verbinden und ein Zeichen gegen das Erstarken rechter Tendenzen setzen. Für Jazzmusiker:innen und Swing-Tänzer:innen zur Zeit des Nationalsozialismus waren Musik und Tanz die einzigen Lichtblicke in einer Zeit der Ungewissheit und Verfolgung. So haben Swing-Jugendliche während der Zwangsarbeit im Konzentrationslager Jazzlieder gesungen und gespielt. Eines dieser Lieder war „Jeepers Creepers“ von Louis Armstrong, auf dessen Sound der ‚Liberation Dance‘ konzipiert wurde.
Wie entstand der Tanz?
Der ‚Liberation Dance‘ wurde im August 2024 in Bremen gemeinsam mit Tänzer:innen aus Deutschland, Tschechien, Polen und Österreich konzipiert. Die Choreographie wurde daraufhin in die lokalen Swing-Communities gebracht und dort gelehrt. Ziel war es, einen transnationalen Gedächtnisraum zu schaffen und den Tanz an verschiedenen Orten in Europa zeitgleich als Flashmob stattfinden zu lassen. Insgesamt an elf Orten in drei Ländern wurde am 8. Mai 2025 der ‚Liberation Dance‘ getanzt. Mit dabei waren Aachen, Berlin, Braunschweig, Bremen, Danzig, Hamburg, Köln, Lüchow, Oldenburg, Pinneberg und Prag. Im Rahmen dieser Flashmobs fanden an den einzelnen Orten auch Stadtführungen, Vorträge und Workshops statt.
Wie geht es weiter?
Der 80. Jahrestag des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und die Befreiung vom Nationalsozialismus ist mittlerweile vorbei. Die Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes bleibt jedoch weiterhin eine zentrale Aufgabe unserer Gesellschaft. Der ‚Liberation Dance‘ versteht sich als künstlerische Ausdrucksform, die dieses Gedenken auch in Zukunft begleiten soll.
Der ‚Liberation Dance‘ besteht aus einer Choreographie, die weiterhin gelernt und gelehrt werden kann. Schreibt uns gerne eine Nachricht, wenn auch ihr den ‚Liberation Dance‘ in eure Tanz-Communities weitertragen wollt.